"Dress to kill- Ankunft"

Jan- Sept 2012 Berlin- Forchheim, Oberfranken

 

Ein dokumentarisches Video- Projekt zum Thema Heimat, Vergangenheit und Zukunft

mit performativen Elementen

 

Im Zuge der Performance- und Installationsreihe „Dress to kill“ macht sich die in Berlin lebende und arbeitende Künstlerin Miriam Wuttke auf die Suche nach Heimat.
Sie bezieht sich im Rahmen ihres 2012 realisierten Arbeitstitels „Ankunft“ auf Geschichten von Vertriebenen und Migranten in ihrem Geburtsort Forchheim.

Realisiert wird dabei ein Videobeitrag mit Interviews zwischen poetischer Reflexion und Dokumentation im Selbstversuch: Die Künstlerin begibt sich auf die Spur von vertriebenen Menschen, die nach dem zweiten Weltkrieg und in jüngster Gegenwart in Forchheim und Umgebung ankamen, ein zu Hause suchten und es dort fanden.

Reflektiert werden Fragen um die Diskrepanz zwischen vordergründiger und tatsächlicher Ankunft und Heimat, nach den Schwierigkeiten der Integration, nach dem Dilemma der Heimatlosigkeit, des Andersseins und der Angst vor der Ausgrenzung.

Die Sehnsucht nach dem „Ankommen“  wird von Miriam Wuttke in zwischenmenschlichen Begegnungen erspürt, künstlerisch verarbeitet, zu einer performativen Geste komprimiert und in einer abschließenden Gesamtinstallation inszeniert.

Wichtig sind nicht nur die in der dokumentarischen Arbeit erzählten Geschichten, sondern auch die persönliche Auseinandersetzung und der Bezug der Künstlerin mit und zu Landschaft, städtischer und dörflicher Infrastruktur und den eigenen familiären Wurzeln zwischen Polen und Deutschland.

Dies alles definiert und bestimmt die Geste der künstlerischen Herangehensweise und den Prozess, der Textur und Rhythmus der Videoarbeit hervorbringt. Im Anschluss an die performative Präsentation am 07.09.2012 steht Miriam Wuttke dem Puplikum für ein erläuterndes Künstlerinnengespräch zur Verfügung.

 

 

 

 

 

"Dress to kill" Das Ende des Postkolonialismus

Januar 2011- dato Berlin, Padova, München, London, Hamburg

 

 "In der Performanceserie Dress to kill geht es um Vertreibung, Verdrängung, Flucht und Ankunft, die poetische Reflexion täglicher Selbst- zerwürfnisse in einer um Ressourcen kämpfenden und gleichzeitig verschwendenden Gesellschaft, um die Schwierigkeiten der Sesshaftigkeit und den Durchbruch des Archaischen in Erwartung der drohenden Krise am Ende des postkolonialistischen Zeitalters.
Es geht um Schwarzkohle, Erde und Baumwolle, das Wild, den Wald, die Jagd; den Tod, das Attentat, die Heimat; die Scholle, die 4 Pfeiler eines Hauses und eine ewige Wanderung, deren Ende durch Erschöpfung, nicht durch Bestimmung bedingt zu sein scheint. Die Geste der Umarmung des Tieres ist die Befriedigung eines Bedürfnisses, das die Angst besiegt, indem es über das Archaische zum Magischen und über die Erkenntnis zum Gegenüber führt. Dann zurück. Da ist nicht nur Nichts. Da ist etwas. Oder etwa nicht?"


"Der Markt ist ein scheues Reh." Sprichwort


"Rascher Jagd- und Schießweste, für Sie

Mit Original Dr. Gmünder Schießpolster. Das in den Schulterbesatz eingelassene, spezielle Schießpolster wurde so überarbeitet, dass es den Rückstoß noch besser absorbiert. Dies wird durch Tests von verschiedenen wissenschaftlichen Instituten bestätigt. Das Kissen kann rechts oder links eingesteckt werden und ist so für Rechts- und Linksschützen geeignet. Funktionelles Design: Taillenweite durch Riegel einstellbar, bequeme Seitenschlitze, große aufgesetzte Taschen mit Ledereinfassung, Rückentasche für Patronen. Robuster Canvas, reine Baumwolle." Frankonia Katalog 2011     

 

Dress to kill Performance & Installation  2011

 

Dec   „Die Scholle 3 Hamburg“ Performance, Installation, Ausstellung xpon-art Hamburg

             

Nov   Die Scholle 2 München“ Performance& Installation Tatort Kunst Art Festival Muenchen   

        

Nov   „Die Scholle 1 Berlin“ Performance& Installation Nacht& Nebel Art Festival Berlin Neukölln


Okt   "The deer collection" Ausstellung und Performance Parallax Art Fair La Gelleria Pall Mall London

 

Sept  „Das Museum zum Ende des Postkolonialismus“ Installation Silver Silver Lopez Berlin

 

Aug   „Das Ende des Postkolonialismus- 12 Aquarelle“ Performance&Einzelausstellung Salon Irkutsk Muenchen

 

Jun   „Dress to kill“- FocusDiversion 48h Neukoelln Performance& Installation Silver Silver Lopez Berlin

 

May   „Das Ende des Postkolonialismus“ Performance New Gallery at Kunsthaus Tacheles/ Berlin- Shanghai

 

Apr   „Kampf um die Sonne“ Performance New Gallery Kunsthaus Tacheles Berlin     

 

Mar   „Digitale Nestwärme- Nackter Hase“ Performance& Installation Magazzini da Forma Padova


Feb   „Digitale Nestwärme“ Performance& Installation New Gallery at Kunsthaus Tacheles Berlin

   

Jan   „Crossing Jordan“ Performance& Installation Abnormals Gallery Berlin

 

 


"999. control. no control. bondage, birds and taliban."

Berlin, New York, Miami, Poznan, Salzburg, Muenchen 2008/2009/2010

 

A framed performance. Taming the beast of freedom.

 

"999. control. no control." is a time and space framed installation which is built on the combination of painting, body, sound and rays.

 

Seit 2008 beschäftigt sich Miriam Wuttke in ihrer Performance Reihe "999. control. no control." mit den Themen Kontrolle, Grenzen, Selbstbild und Wahrnehmungsschemen. Es geht bei den ortsbezogenen Selbst- Bondage- Performances um die Erforschung von Rollen (gender), Räumen, Bildern und Eindrücken bei gleichzeitiger Deprivation von Wahrnehmungsmöglichkeiten und der Einschränkung von physischen Bewegungsspielräumen. Die Inszenierung der eigenen Körperlichkeit lässt den Zuschauer durch die Einschnürung in die verwendeten Bondage- Materialien (PVCband, klebendes Paketband und Markierungsband) visuell teilhaben an einem regressiven Prozess, bei dem die Abgrenzung und die Reise ins Innere gleichzeitig ein durch Signalfarben unterstrichenes Teilhaben- lassen an Einsamkeit, Rückzug, Schmerz und Befreiung bedeutet.


Der Begriff "Bondage", verwendet in der BDSM- Szene, steht metaphorisch für Selbstkontrolle sowie Selbstaufgabe. Die Selbstfesselung nimmt Bezug auf Begrifflichkeiten der Existenzphilosophie und reflektiert die Bereitschaft des Einzelnen, in Anbetracht gesellschaftlicher Anforderungen Freiheiten einzugrenzen und für das Versprechen identitätsstiftender Konsumgüter aufzugeben. Aufgeworfen wird die Frage des inneren Gleichgewichts und Standpunktes in Anbetracht eines gesellschaftlichen Rückentwicklungsprozesses hin zu gesteigertem Selbstbehauptungsdruck, Fremdenangst, Opferbereitschaft und Ergebenheit.

 

No One

September 2008

Haase& Plankk, Wrangelstr. 25, Berlin

999. control. no control. No 1: sporting seclusion. giving it up. rolling in tape.

video, installation, drawing, painting.

 

No Two

October/ November 2008

Museum of Contemporary Trash Art, Ausstellung mit Karen Haase unter dem Titel "Nicht Schön", Berlin

999. control. no control. No 2: Sex, Violence, Pressure, Death. I´m a success: the acceleration of particles! the creation of black holes! high heel commitment! stock market exchange!

clustering, installation, performance.

 

No Three

March 2009

Midtown Manhattan, New York

999. control. no control. No 3: Galvanized pressure cooker: the blind spot. It´s ok not to know what you want.

video, thinking, words.

 

No Four

May 1st until May 27th 2009

9 +9 +9 = 27 images, Berlin

999. control. no control. No 4: bonding for life- forever and ever: 27 acts of taming in total remote control.

video performance, drawing, painting.

 

No Five

14.- 16.08.2009

Kunsthaus Tacheles, Beteiligung an der Gruppensshow "Schwarzwasser", Berlin

999. control. no control. No 5: bonding for life 2. foreverever. Reizthema Urlaub.

installation, performance, collage.

 

No Six

06.11.- 10.12.2009

Installationsritt in 6 Akten in Zusammenarbeit mit ADLER A.F., Berlin, New York, Miami 

999. control. no control. No 6: The ride of the Walkyries. Three killer sluts on a pressure- tight schedule."

installation, performance, painting.

 

No Seven

13.02.- 27.08.2010

Bondage_Circle_1_3_9_27_81

999. control. no control. No 7: Multiplying_Multitasking_Multibodies, Berlin

installation, performance, choreography.

 

No Eight

04.09.2010- 22.02.2011

Wrap, Cut and Paste

999. control. no control. No 8: Intercultural_Interfearing_Interaction, Berlin, Poznan

installation, performance, choreography.

 

No Nine

Februar 2011- Dezember 2011

999. control. no control. No 9: Total control.

Arbeit an der Präsentation des Gesamtkonzepts. Umsetzung einer Serie von 9 grossformatigen Gemälden.

Berlin. Zwischen Kreuzberg, Neukölln und Mitte...

 

Fazit:

 

"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser." (Repetition Girl, nach einer "dieser Nächte")

 

 

"Other Peoples Holidays"// "Other Peoples Family"

Berlin/ New York, August 2009 bis dato

 

Bei diesem Collage- Projekt geht es um Photographien eines älteren Berliner Ehepaares, welche Miriam Wuttke dem Müllcontainer entrissen hat und nun in ihre abstrakten Gemälde integriert. Hunderte von Photos portraitieren zwischen 1960 und 2005 unzählige Urlaubsreisen. Sie zeigen die vielen kleinen Stationen am Wegesrand, Fahrten ins Gebirge, Picknicks an der Bundesstraße, geselliges Beisammensein, Begegnungen mit anderen Kulturen, Arrangements von fremdartigen Speisen in kleinen südländischen Lokalen und exotischen Gerichten auf Kreuzfahrtschiffen... alles hoch persönliche, und mit gesundem, dilettantischen Elan "geschossene" Momentaufnahmen voll gestellter Heiterkeit, gut- deutscher Gemütlichkeit und wohl verdienter Entspannung. Die Bilder wurden achtlos weggeworfen, wohl aufgrund des Todes beider Eheleute. Bei der Durchsicht und beim Sortieren der Photos stellen sich Fragen von persönlichen Zusammenhängen, man bekommt Einblick in ein Leben von Menschen, die einem vollkommen fremd sind, welche jedoch als Sinnbild für eine Generation stehen, die von unserer digitalisierten und globalisierten Alltagsrealität vollkommen abgeschnitten scheint. Es geht bei dem Zusammenstoß mit der Kunst um die Erkenntnis einer Parallelwelt, eine Welt bürgerlicher Gemütlichkeit und mittelständischer Belohnungsmentalität... und die Auseinandersetzung damit, dass es diese Welt bald nicht mehr gibt; dass Leistung nicht mehr entlohnt wird, dass es immer schwieriger wird, gesellschaftliche Anforderungen, selbst gesteckte Ziele und familiäre Zusammenhänge so zu verbinden, dass es ein wirklich zufrieden stellendes Ensemble ergibt... 

Der Künstler lebt nicht in der Welt, in der es planbare Auszeit und Sicherheit gibt. Er lebt in einer anderen Parallelwelt, einer Welt der Ideen, der Inspiration und Imagination. Das unbedingte Bedürfnis, Ideen zu verwirklichen, kann nicht einfach ausgeblendet oder weggeschoben werden. Sie verlangen nach innerer Auseinandersetzung oder tatkräftiger Umsetzung. Die Idee ist unaufhaltsam. Es gibt keinen "Urlaub"- nur die Befreiung in der Entfernung von sich selbst im Moment des Schaffens und Agierens...

Die Collage bietet den Ereignisraum, diese beiden Parallelwelten zu vereinen. Das Rentnerpaar wird in die Abstraktion integriert, von einer Welt in die andere bewegt. Einzeln ausgeschnitten und abgetrennt von ihrer gewohnten und gewählten Umgebung stehen die Personen nun verloren, aber leicht und schwebend in bunten Farbfeldern. Zurück bleiben leere Stellen im Photo. Das Leben der Rentner wird mit dem Verschwinden von der einen und dem Auftauchen in der anderen Bildfläche abstrakt erhöht gewürdigt. - Die Künstlerin widerum nimmt sich an der bescheidenen Einfachheit der bürgerlichen Erlebniswelten ein Beispiel und bestellt sich eine Blutwurst mit Sauerkraut und Kartoffeln. Dann spielt sie Mensch Ärgere Dich Nicht.

 

Fazit?

 

"Im Bunker ist es dunkel, wenn das Licht ausgeht." (Frau Prof. Dr. Plankk, MIAMI BEACH, Dez 2009)

 

 


"LIVE STREAMING LIVE, 24/7, 7days of dr_planckulture3000"

NYC, Maerz/ April 2008

"ground control productions presents: 7 days of dr_planckulture3000", war ein für die NYC Art Fair 2008 angelegtes Marathon Projekt, welches sich als Installation und Performance sieben volle Tage bzw. Nächte lang in einem Raum im 13. Stock in Midtown Manhattan abspielte, und welches unter "groundcontrolproductions.net" 24h am Tag live via Stream ins Internet übertragen wurde.

Die Protagonistin richtete sich nach dem Vorbild von "Big Brother" häuslich und künstlerisch, unter stetiger Beobachtung von Zuschauern im World Wide Web, auf Augenhöhe mit den Arbeitern eines chinesischen sweat shops in einem Fabrikgebäude auf der West Side Manhattans ein.

Unweit der anschmiegsamen Betriebsamkeit internationaler Gallerien und Künstler, welche sich zum Händeschütteln und Plausch in der ganzen Stadt tummelten und trafen, malte, performte und installierte die Künstlerin ohne Unterlass und Zweifel.

Auch Frau Wuttke war, wenn sie nicht gerade als "Prof. Dr. Plankk" eine Notoperation am lebendigen Bären durchführte oder als "Silver" zur Meditation mit der "Walkürenbrezel" aufforderte, unterwegs an den Dreh- und Angelpunkten des internationalen Kunstmarktes, um zu sehen und gesehen zu werden, bzw. um Zuschauer für schöne Beiträge wie "Osamas Bountiful Basket"- die Beautyshow mit dem Talibanführer- oder "Five o´clock German Hour"- Deutsche Stunde mit Sternchen Raute- zu werben...

Nicht selten kamen die Beworbenen gleich als Special Guests mit ins Quartier und wurden dort interwievt und verköstigt.

Neben live Darbietungen befreundeter Künstler, gab es die klassischen Diskussionen über Postmoderne und Avantgarde, als live gestreamtes Plankk´sches Nachtprogramm am Bistrotisch bei Wein und Zigaretten.

Höhepunkte und Publikumsfavoriten waren die "Kaffeepause mit dem Führer: Osama liest aus Nietzsche und der Bunten" und "Die Transplantation des Gesichts Peter Alexanders in den Magen des Bären", eine schwierige aber gelungene OP mit einer beschwipst- beschwingten Prof. Dr. Plankk, die zu diesem Anlass, zur Freude ihrer amerikanischen Fans, auch mal aus dem "Nähkästchen" plauderte...

 

Entstanden war die Idee des live Streaming bei dem Projekt "Our Time" im September 2007, als Frau Wuttke zusammen mit weiteren New Yorker Künstlern in einem kurz zuvor aufgegebenen 500 qm großen McDonald´s Restaurant in der 57. Straße im Schaufenster installierte, malte und (kurz) schlief.

Weitere Installationen des Künstlerzusammenschlusses "Our Time" und von ground control producions kuratierte Projekte stehen an. (News unter miriamwuttke.de)

 

Fazit?

 

"Es lebe das Ethernet!"


Und: Vor dem Kriechen durch das ausgetrocknete Flussbett der afghanischen Hochebene muss eine gute Kamelfettcreme ca. 5 Min lang in die Gesichtshaut einziehen, wobei der Dekoltebereich nicht ausgespart werden sollte. Reste nicht achtlos wegwerfen: Sie können zur Politur des Kalaschnikowlaufes verwandt werden! (aus "Osamas Tagebuch", 2008)




"120 Tage auf der Suche nach dem Deutschen Traum"

15. Maerz bis 17. Juli 2005

Die "Suche nach dem deutschen Traum" war ein genau 120 taegiges, waghalsiges und anstrengendes Unterfangen, purer Gonzo Journalismus nach dem Modell Hunter Thompsons, welches Frau Wuttke in einem Passat Kombi mit Wohnwagenanhaenger im Fruehling/ Sommer 2005 durch die ganze Republik fuehrte und bestens dukomentiert ist.

Neben einem ueber 300 Seiten starken, fast taeglich auf den Schreibmaschinen "Olympia" und "Tippa" gefertigten Reisejournal gibt es eine 5 stuendige Video- Rohfassung, welche chronologisch von den Hoehen und Tiefen, den extatischen und niederschmetternden Begebenheiten, Erlebnissen und Befindlichkeiten von Kuenstlerin und Umwelt erzaehlen.

Die Interviewpartner der als "Frau Prof. Dr. Plankk" getarnten Frau Wuttke reichen von Besuchern eines niederbayrischen "Schnupferfestes" ueber den Vorsitzenden eines fraenkischen Oldtimer- Traktoren- Clubs bis hin zum Besitzer des Cafe Schill im Glottertal; vom Parkwaechter in Sans Soucie ueber den Kreuzberger Obdachlosen bis hin zum Bremer Hausbesetzer... Alles war dabei, und Frau Plankk, die sich in Bayern auch gerne mal als Koenig Ludwig II. verkleidete und ausgab, scheute weder Entfernung noch Muehe, dem deutschen Traum ganz ganz nah zu kommen... Trotz Finanzierungsengpaessen, unschoenen Begegnungen mit Neonazis, kuenstlerischen Krisen, Autopannen, Muedigkeit und Hunger blieb die Devise "Machen" in ihrer Abwandlung zum "Weitermachen" neben Musik aus dem leiernden Kassettendeck des Passats die treibende Kraft, welche Frau Wuttke schliesslich, nach 120 ereignisschweren Tagen, sicher zum angestrebten Zeitpunkt zum Endpunkt der Reise geleitete. In der Gueterhalle des Ottersberger Bahnhofs wohnte die Kuenstlerin zur "Endpraesentation" ihres Marathons sieben Tage lang in ihrem Wohnwagen inmitten ihrer Installation. Wenn sie morgens aufstand, konnte sie Zaehne putzend den Besuchern ihrer Ausstellung einen Kaffee vom Gasherd anbieten.- Gemuetlichkeit muss sein!

 

Fazit?

 

"Den Deutschen Traum, den gibt es nicht.", so die einstimmige Meinung aller Befragten.- Zum Glueck.

 

Und: Wer laenger auf Autobahn- Raststaetten und Parkplaetzen schlaeft, kocht, isst, malt, zeichnet und schreibt, kann das Gefuehl, dass ein Leben in der Oeffentlichkeit und unter staendiger Beobachtung vollkommen normal ist, so schnell nicht mehr abschuetteln.

 

Die Diashow "120 Tage Deutschland" (s. unten) gibt einen Einblick in die Realitaet eines durch konsequenten Mut zur Sinnlosigkeit zur Vollendung gebrachten und veredelten Vorstosses menschlicher Existenz.


 

"Clown Town Stories"

2001 bis 2004

Die Clown Town Stories beziehen sich auf einen Zeitraum von drei Jahren, in welchen sich Miriam Wuttke fast staendig und intensiv mit dem Thema Clowns auseinandersetzte. Dies geschah nicht aus der Bewunderung des Clownesken oder aufgrund der Art und Weise, in welcher Humor und Komik in Gestalt des Clowns zum Ausdruck gebracht werden. Vielmehr wuchs die Kuenstlerin gemeinsam mit Freunden und Bekannten aus dem bildenden und darstellenden Bereich in New York in ein "Clown Town" Projekt hinein, welches im Laufe kuerzester Zeit an Geschwindigkeit und Gewicht gewann, in ungewollte Ausmasse wuchs und immer hysterischer, grotesker und gewalttaetiger wurde. Ausgangspunkt waren die beiden Filmemacher/ Schauspieler/ Brueder Coleus, welche eine Stadt namens Clown Town, ein abgewracktes Pendant zu Manhatten, erfanden und begannen, Geschichten und Rollen zu schreiben. Photoshootings, Filme und Performances waren spontan organisiert, wurden im oeffentlichen Raum installiert oder gedreht, und das entstandene Material fuehrte zu weiteren Geschichten, Rollen und spontanen Zusammenkuenften in wahnwitzigen Kostuemen und sich ueberschlagender Stimmung. Irgendwann kam man nicht mehr aus der "Clown Town Spirale" heraus, und Frau Wuttke begann, 2001 wieder in Deutschland, ihre eigene Clown- Stadt zu erschaffen. Die Charactaere in ihren Erzaehlungen waren meist morbide, unsympathische Gestalten, durchgedreht, gewaltbereit, immer am Rande des Abgrundes zwischen Hysterie und Depression, meist drogenabhaengig, sowie kurz vor dem selbstgewaehlten und clown- staatlich unterstuetzten Mord durch unaufhoerliches Kitzeln stehend.

Es gab mehrere Installationen im Raum Bremen und weiterhin mit Freunden in Manhattan, sowie Gonzo Journalismus im Clownskostuem. Die Geschichten, Gemaelde, Zeichnungen, Drucke und Aufnahmen aus dieser Zeit fuehrten schliesslich zum Thema "Schwindsucht" und zum Character der Prof. Dr. Plankk, die begann, Absurdes und Wissenschaft zu vermengen und bei trashig- ordentlichen oder ordentlich- trashigen Vortraegen ihre Inhalte an die Frau/ den Mann zu bringen. Die Ernsthaftigkeit und Tiefe der philosophischen Themen wurden sachgemaess durch Recherche und mit Belegen untermauert, jedoch immer wieder von der grotesquen Dynamik in Auftreten und Vortragsweise aufgelockert und hinterfragt.

Eigenschaft, Wissenschaft, Leidenschaft. Pythagoras, Augustinus, Eckhart. Stirner, Schelling, Heidegger.- Die tuberkuloesen Zustaende der Moderne, auf die sich die heutige Gesellschaft bezieht, Punk Rock und Walkueren... interessante Zusammenhaenge, erlaeutert von einer zierlichen Frau im roten Kostuem mit schwarzer Kassenbrille, mit Zeigestab in Nylonstruempfen auf deinem Scherbenhaufen von Absinthflaschen stehend.- Ordnung ist das halbe Leben!

 

Fazit?

 

"Humor ist, wenn man trotzdem lacht."- oder zu Traenen geruehrt ist, wie es damals einigen Anwesenden bei Lesungen von Frau Wuttke passiert ist.

 

Und: "We cannot turn our back on violence. We have to transform violence, thats what we have art for, thats what we have Rock and Roll for." (Patti Smith)

 

Die Diashows "Clown Town Stories" und "Die Schwindsucht" geben einen Eindruck dieser Jahre und leiten zur naechsten Thematik ueber.

 

 

 

"Life in the post 9/11 World"

War games 2003 bis 2004

Das Thema "Life in the post 9/11 World" nahm Bezug auf die Veraenderungen, welche Frau Wuttke nach dem 11. September 2001 in New York als exemplarischer Weltstadt beobachten konnte. Die Kriegsschauplaetze Manhattan, Irak und Afghanistan wurden in Zusammenhang gesetzt zu den Schauplaetzen, auf welchen die kleinen, individuellen Kriege des Lebens im Alltaeglichen ausgetragen werden. Die persoenliche Krise, der Zusammenbruch, Gewalt, Schockzustand, Angst, Fremdbestimmung und Willenlosigkeit im funktionalen Gehorsam standen im Hintergrund einer taeglich wachsenden Installation in Frau Wuttkes Atelier an der FH Ottersberg.

Die schriftliche Veraeusserung wurde kryptischer bis zur Sinn- Verstuemmelung, die Zeichnungen wichen Collagen geferigt mit Ausschnitten aus Zeitschriften, Waffenkatalogen, Fleischwerbung, Armeemagazienen, Lokalberichten, gepaart mit Schnipseln, Gegenstaenden, Muell und Photos von Reisen nach Manhattan und zurueck. Frau Wuttke wurde in ihren Performances direkter und aggressiver, die Musik wurde lauter, Waende und Boden voller bis zur letztendlichen Ueberfrachtung, die den Betrachter gleichzeitig ueberforderte und abstiess, aber trotzdem zum dechiffrieren dieser aufdringlichen Mitteilsamkeit einlud. Das, was da wuchs, kannte kein Ende, keinen Halt und kein Ziel und fragte nicht mehr nach Legitimation durch Akzeptanz oder Gefallen. Die Aesthetik des Trash, der Gewalt und der Direktheit ging einher mit einem sich erschoepfenden Arbeiten und Schaffen ohne Punkt und Komma. Die ganze Trieb- Kraft der Maschine Mensch, die Hinnahme des scheinbaren Schicksals, in der bedrohlichen Krise und in Anbetracht von aeusserem Druck eine bestimmte Rolle erfuellen zu muessen, waren Teil dieser an den Tag gelegten Arbeitswut als Spiegel dessen, was durch den 11. September an Dynamik und Energie losgetreten worden war.

Das Atelier wurde zum Schlachtfeld, die Schwidsucht schluepfte in das Gewand von Fanatismus, Aggression und Polarisierung. In Performances berichtete Frau Wuttke als GI Jane unter Sirenengeheule und begleitet von uebersteuerten Hitlerreden "von den Schauplaetzen der Kriege" und begann, die mediale Ausschlachtung der "Ereignisse" Osama Bin Laden in der Rolle des Taeters oder Eva Braun in der deutschen Opfer/ Frauenrolle zu persiflieren.

 

Fazit?


"Be someone- kill yourself!" (Sex Pistols/ Taliban Headquarters/ Operation Enduring Freedom)